Ein geschlossener Kreislauf:
Wie ein Esel Recyling in der Sierra Nevada ermöglicht
Während einer Reise nach Kolumbien hatte Maximilian die besondere Gelegenheit, die Kogi-Gemeinschaft in ihren neun Dörfern in der Sierra Nevada zu besuchen. Ein enger Familienfreund führte ihn durch die beeindruckenden, naturbelassenen Wälder. Doch der erste Eindruck täuschte: Die Wege und Dörfer waren zunehmend von Plastikverpackungen geprägt.
Früher transportierten die Kogis ihre Lebensmittel in natürlichen, kompostierbaren Materialien aus dem Tal in die Berge; ein Weg, der zwischen 8 und 18 Stunden dauern kann. Mit der Zeit verschwanden jedoch auch in den Märkten Kolumbiens nachhaltige Verpackungsoptionen. Stattdessen kamen Plastikverpackungen in die Dörfer. Wie zuvor organische Materialien wurden auch diese in der Natur entsorgt – mit dem entscheidenden Unterschied: Plastik verschwindet nicht.
Im Austausch mit der Gemeinschaft wurde schnell klar: Das Bewusstsein für das Problem wurde verstanden, ebenso der Wunsch nach Veränderung. Was fehlte, war eine funktionierende Infrastruktur, insbesondere der Transport des Mülls zurück ins Tal.
Gemeinsam mit der lokalen Familie wurde eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung geschaffen: Ein Esel für den Transport innerhalb der Bergdörfer sowie regelmäßige Fahrzeugtransporte ins Tal zur Recyclinganlage. Gleichzeitig wurde das Thema Müllvermeidung aktiv in Community-Treffen eingebracht. Wissen, Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten verbreiteten sich innerhalb der Dörfer.
So entstand Schritt für Schritt ein funktionierendes System, getragen von der Gemeinschaft selbst.
Genau hier zeigt sich der Kern eines Full-Circle-Projekts: Eine Initiative beginnt mit einem Impuls, wird lokal verankert, weiterentwickelt und schließlich eigenständig getragen. Der Kreislauf schließt sich.
Der Esel steht dabei symbolisch für mehr als nur Transport. Er verbindet die einzelnen Elemente des Systems: Sammlung, Bewegung, Weiterverarbeitung. Gleichzeitig verbindet die Gemeinschaft Wissen, Verantwortung und Handlung.
Mit der Zeit entwickelte sich aus der ersten Unterstützung ein selbsttragendes System. Die Kogis organisierten gemeinsam mit der Talgemeinde schließlich sogar eine staatlich unterstützte Müllabholung. Aus einer punktuellen Intervention wurde eine langfristige Struktur.
Dieses Projekt zeigt, wie Full Circle in der Praxis funktioniert:
Eine kleine, gezielte Maßnahme trifft auf lokales Wissen und Engagement. Daraus entsteht ein Kreislauf, der nicht nur ein Problem löst, sondern dauerhaft wirkt – ökologisch, sozial und strukturell.
Ohne die Initiative der Kogis, ohne die Bereitschaft zur Veränderung, ohne erste Erfolgserlebnisse und ohne passende Unterstützung hätte dieses System nicht entstehen können. Doch gemeinsam wurde aus einer Herausforderung eine Routine im Umgang mit den komplexen Problemen unserer modernen Welt.